EL CLUB / INTERVIEWS / Alfredo Castro

Interview Alfredo Castro

Sie haben bereits fünf Filme mit Pablo Larraín gemacht. Welche Verbindung sehen Sie zwischen den vorherigen Filmen und „El Club“?

Ich denke, dass ein großes Thema von Pablo Larraín die Straflosigkeit ist. Meine Figuren in ‚Tony Manero‘ und ‚Post Mortem‘ handeln in vollständiger Gewissheit der Straflosigkeit. In ‚¡No!‘ wird Luis Guzmán ohne irgendeine ethische Konsequenz vom kompromisslosen Kollaborateur der Diktatur zum Anhänger der Demokratie – in dem Moment, als die Demokratie beim Plebiszit triumphiert. Jetzt, bei ‚El Club‘, geht es ebenso um Männer, die hart bestraft werden müssten, aber in einer makabren Straflosigkeit leben.

Unter diesem Blickwinkel scheint mir ‚El Club‘ eine realistische Beobachtung der politischen, sozialen und religiösen Verhältnisse zu sein. Die Seilschaften der Macht machen weiter, versteckt in den Schatten und geschützt vom Prinzip der Straflosigkeit, das für bestimmte Gruppen immer noch gilt. Für mich ist ‚El Club‘ in seiner Ästhetik, seiner Narration, seinem extremen Realismus ein außerordentlicher Film, ein radikales politisches Zeugnis, das einen großen Traum materialisiert: Dass diese Herren des Schicksals und des Glaubens, diese Beschützer einer Klasse einem öffentlichen Prozess der Gesellschaft ausgesetzt werden.

‚El Club‘ wurde in sehr kurzer Zeit gedreht, Sie kannten das Drehbuch nicht , sondern jeweils nur die nächsten Szenen. Wie haben Sie das erlebt?

Wir haben den Film in dreieinhalb Wochen gedreht. Was da mit uns passiert ist, war etwas sehr Schönes: Der Austausch über das, was die eine Figur über die andere wusste, eine echte Probe für das, was wir „Glauben“ nennen. Was wir da in sozusagen religiöser Hinsicht erlebt haben, waren Respekt, Liebe, Intelligenz, Gemeinschaftssinn, Ethik, die gegenseitige Wertschätzung.
Es war goßartig zu sehen, wie Alejandro Sieveking seine erste Verhörszene spielte, und Jaime Vadell fragen zu können, was in seiner Verhörszene passiert ist, war ein Beweis des großen Vertrauens untereinander. Wir waren alle in der gleichen Hölle ...

Wie sind Sie im Hinblick auf Ihre Figur mit der Frage des Glaubens umgegangen?

Ich weiß nicht, ob der Priester, den ich spiele, wirklich einen Glauben hat. Es kommt mir eher vor, als folgten sie einer religiösen Gemeinschaft, um sich in einer schützenden Nische zu verschanzen, in diesem Haus am Rande des Abgrunds, wie eine Gruppe von Feiglingen, die Angst vor dem Leben haben. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Wenn Sie den Glauben auf dem Weg zum Dogma meinen, damit habe ich nichts zu tun. Wenn Sie den Glauben als eine menschliche Verbindung zu mir selbst meinen, zu meinem Nachbarn, zur Welt, dann würde ich sagen, dass es in meiner Arbeit genau darum geht. Ich musste nicht den Spuren religiösen Glaubens in mir nachspüren, um diese Rolle zu spielen. Mein Glaube hat sich auf die Texte gegründet, die Bilder, die emotionalen Welten, die diese Bilder stützen, und auf mein Vertrauen – was auch eine Form des Glaubens ist – in den Regisseur, in Pablo Larraín.

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