EL CLUB / INTERVIEWS / Roberto FarÍas

Interview Roberto Farías

Ihre Figur Sandokan kommt aus einer sozialen Schicht, die die Religion auf eigene Weise erlebt. Wie sind Sie unter diesem Aspekt an Ihre Rolle herangegangen?

Aus der prekären Position, nicht viele Alternativen des Glaubens zu haben: Sandokan glaubt an etwas Konkretes, das ihn geschützt, unterstützt und erzogen hat, etwas, das es ihm erlaubt hat zu überleben. Für ihn ist Glauben weniger etwas Spirituelles oder Philosphisches, sondern eine eher konkret und funktional. Er war gezwungen, blindlings all den Demütigungen und kranken Vorlieben der Priester nachzugeben, die ihn gleichzeitig geschützt haben. Liebe und Glaube sind hier heillos verstrickt und zerrissen. Jeder Missbrauch, von der Liebkosung bis zur Penetration, wird als Hingabe an einen Gott gesehen, der nur die Millionäre schützt und verbirgt. Natürlich entspricht diese Rexlexion einem viel ausgebildeterem Intellekt als dem Sandokans. Sandokan ist viel einfacher, direkter, er verfügt nicht über solche Mechanismen einer emotionalen Intelligenz, mit der er sein eigenes Schicksal verändern könnte.

Die Sprache Ihrer Figur ist sehr direkt und sehr regional gefärbt. Wie sehr muss man daran arbeiten, damit das nicht wie eine Karikatur klingt?

In meinem Fall gar nicht, weil ich von dort komme. Ich komme aus einem Stadtteil von Conchalí, wo diese Sprache lebt und sich ständig erneuert. Man muss nur aufmerksam sein, um sich bestimmte Formen des Sprechens, bestimmte Figuren anzueignen, manche extremer als andere, proletarischer, vulgärer. Ich bin dort geboren, mit diesem Dialekt, das ist wie in einem anderen Land geboren zu sein. Es ist kein schlechtes Land, es gibt dort wunderbare und interessante Menschen, die für mich wie meine Universität sind. Dort habe ich gelernt, und ich glaube, ohne dieses Werkzeug würde ein falscher Ton in meine Figuren, in mein Spiel kommen. Ich respektiere und bewundere die Drehbücher, besonders wenn sie von Leuten wie Pablo Larraín kommen, aber ich mische mich auch ein und verändere, wenn es um solche Figuren und eine solche Sprache geht: weil ich von dort komme.

Was war die größte Herausforderung für Sie bei dieser Rolle?

Der Film handelt von der Korruption, vom allzu kurzen Gedächtnis, vom Missbrauch, davon, wie man mit dem Daumen die Sonne verdeckt, wie man den Dreck unter den Teppich kehrt, es geht um diese Projektion der Diktatur, die niemals endet, darum, dass das Recht der Reichen nichts mit dem Recht der Armen zu tun hat.

Aber es geht auch um ein anderes universelles Thema, die Liebe. Erinnern Sie sich an das erste Mal, als sie verliebt waren? Es ist schrecklich, weil man nicht weiß, warum man, verdammt noch mal, wegen diesem Menschen so fühlt, und auch wenn es vielleicht unmöglich oder pervers ist, es ist doch genau das: Liebe. Und wenn das so passiert wie bei Sandokan, ist es vernichtend: Ihm bleiben nur ein paar Brosamen, um die er sich mit den Tauben streiten muss.

Der Weg, sich dieser Rolle zu nähern, ging nur über die Auseinandersetzung mit der Vorstellung dieser brutalen Erfahrungen von schwerem Missbrauch. Die Sprache ist heftig, direkt und real: Penetration, Vorhaut, Ejakulation. Das mag im Film dann manchmal fast komisch klingen, aber sich diese Texte, diese Ereignisse, diese Bilder anzueignen, ist schwierig und schmerzhaft. Was man darstellt, geht durch den Körper und die Seele. Auch wenn man versucht, Distanz zu halten, steht man immer eine Verbindung damit. Man spielt mit dem einem Fuß drinnen und dem anderen draußen, man weiß, dass es um die Figur geht, nicht um einen selbst. Aber der Grat ist sehr schmal, und am Ende man doch unausweichlich in Sandokans Martyrium verstrickt.

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